Nach einem überraschenden Festplattendefekt meiner Systemplatte ist mir quasi mein „Arbeitstier“ schlagartig ausgefallen. Nichts mehr mit Fotos sortieren und bearbeiten etc. Das macht auf einem 14 Zoll Laptop einfach keinen Spaß. Was mich allerdings schon lange gestört hat, ist die Festplattenkonfiguration meines Desktoprechners: Eine Kombination aus verschieden alten Platten, die bei Hochrüstungen der restlichen Hardware immer wieder mit umgezogen sind. ich hatte irgendwie nie Lust eine gewisse Summe in die Hand zu nehmen, um eine vernünftige Speicherlösung mit einem durchgängigen Konzept einzusetzen. Und natürlich war es auch irgendwo Faulheit, denn so konnte man immer schon die alte Systemplatte wieder benutzen (beim generischen Kernel eines Linux ja kein Problem).

Mein Desktoprechner an sich hat zwar schon ein paar Jährchen drauf, aber ist mit seiner Konfiguration immer noch mehr als ausreichend für meine Bedürfnisse und Einsatzgebiete. Der AMD Phenom(tm) II X4 945 hat mit seinen 4x 3GHz genug Power und die 4GB RAM waren unter Linux auch nie ausgereizt. Lediglich die Festplatten brachten mir immer wieder Kopfzerbrechen: Die 200GB Samsung SP2004C (7200 U/Min, 8MB Cache, SATA) als Systemplatte war vielleicht vor 8 Jahren zeitgemäß, als ich sie einbaute. Die alte IDE-Datenablage mit 400GB (Samsung HD400LD, 7200 U/Min, 8MB Cache, PATA) war nur noch im Rechner, weil ich zu faul war und die Daten auf die neue 1,5TB Platte zu kopieren (Samsung HD154UI, 5.400 U/Min, 32MB Cache, SATA).

Das war übrigens gar keine so doofe Entscheidung, denn etwa ein Jahr nach dem Einbau der 1,5TB Samsung war diese auch schon hinüber. Ausfall ohne Vorwarnung, bravo. Seitdem hatte ich also nur noch die 200GB Systemplatte und die 400GB Ablage im Rechner, zusätzlich die Festplatten im Netzwerk, die über den Ubuntu-Server erreichbar sind.

Der Ausfall der Systemplatte war also Grund genug, ein paar Euros in die Hand zu nehmen und endlich ein vernünftiges Speicherkonzept für meinen Desktoprechner einzusetzen. Nachfolgend die Kombination, die ich mir bestellt und heute eingebaut habe:

  1. Als Systemplatte kommt eine SSD (Kingston SSDNow V300 120GB, 450MB/s lesen, 450MB/s schreiben) zum Einsatz. Irre, was so eine SSD an Geschwindigkeit bringt.
  2. Also Datenspeicher am Desktoprechner kommen zwei normale Festplatten zum Einsatz (Seagate Barracuda 7200U/Min, 1TB, 64MB Cache), die im RAID 1 betrieben werden.

Damit das ganze auch vernünftig funktioniert, habe ich noch 3 neue SATA 6 GB/s Kabel bestellt. Am Kabel ist schnell gespart und dann wundert man sich, wieso die neuen Komponenten nicht die Leistung bringen, die man eigentlich erwarten dürfte.

Dazu habe ich noch gleich die restlichen 2 RAM-Bänke bestückt (Corsair 4GB KIT), um komme jetzt ins Summe auf 8GB RAM, was v.a. für Bildbearbeitung mit GIMP und der gleichen den ein oder anderen Vorteil bringen könnte.

Heute Nachmittag habe ich also die Komponenten eingebaut (und die alten ausgebaut) und mir über mein Laptop ein frisches Kubuntu 12.10 ISO besorgt und einen USB-Stick damit bestückt. Die Installation ist mittlerweile wirklich kinderleicht und nach Klicki-Bunti-Manier ausgeführt (das ALTERNATE ISO gibt es ja leider nicht mehr, aber hoffentlich bald wieder…).

Während der Installation habe ich lediglich die Systemplatte eingerichtet, mit einer Partition von 20GB für root, 1GB für swap und die restlichen 99GB für /home.

Nachdem das System aufgesetzt und betriebsbereit war, ging es an die Konfiguration des Software-RAIDs:

1. Installation des Software-RAIDs mdadm:

sudo apt-get install mdadm

2. Das RAID /dev/md0 mit den beiden Platten (/dev/sdb und d/dev/sdc) als RAID 1 (Spiegeln) erzeugen:

sudo mdadm --create --verbose /dev/md0 --level=1 --raid-device=2 /dev/sdb /dev/sdc

Übrigens müssen die Platten vorher weder partitioniert noch formatiert werden, wenn man sowieso die komplette Platten benutzen will.

3. Das RAID /dev/md0 mit EXT4 formatieren:

sudo mkfs.ext4 /dev/md0

3. Die UUID von /dev/md0 auslesen:

sudo blkid /dev/md0

4. Eintrag in /etc/fstab setzen, damit das RAID vom starten des Systems in /media/daten gemountet wird (UUID muss kopiert und für den fstab-Eintrag benutzt werden):

sudo nano /etc/fstab
#RAID-VERBUND
 UUID=ae0fa9fe-11b2-4eaa-8b55-873769351fab /media/daten   ext4    defaults   0  0

5. Natürlich fehlt noch der Ordner in /media, dem wir sinnigerweise auch noch Zugriffsrechte für unsren User verpassen:

sudo mkdir /media/daten
sudo chown username /media/daten
sudo chmod u+rwx /media/daten

6. Wir mounten das RAID:

sudo mount /dev/md0 /media/daten

7. Im Hintergrund wir das RAID bereits gesynct, den Status kann man sich mit dem Befehl cat /proc/mdstat ausgeben lassen:

Personalities : [raid1] md0 : active raid1 sdc[1] sdb[0] 976631360 blocks super 1.2 [2/2] [UU] [=>……………….]  resync =  5.8% (56868736/976631360) finish=15310.8min speed=1000K/sec

Wie man feststellt ist der Spass nicht gerade schnell. 15310 Minuten sind etwa 255 Stunden und damit ca. 10 Tage. So lange wollen wir wirklich nicht warten und setzen die Minimal und Maximal-Limits für den Sync hoch. Damit ist das Array zwar für Datenoperationen (Dateien auf das Laufwerk kopieren etc.) zwar vielleicht nicht so performat während dem Sync, dafür müssen wir nicht 10 Tage den Rechner laufen lassen.

Wir brauchen dazu root-Rechte jenseits von sudo:

sudo su
sudo echo 100000 > /proc/sys/dev/raid/speed_limit_min
sudo echo 400000 > /proc/sys/dev/raid/speed_limit_max

Und schon reduziert sich die Sync-Zeit enorm, wie man bei erneutem Aufruf von cat /proc/mdstat sieht:

Personalities : [raid1] md0 : active raid1 sdc[1] sdb[0] 976631360 blocks super 1.2 [2/2] [UU] [=>……………….]  resync =  6.1% (59755264/976631360) finish=172.0min speed=88812K/sec

So, das wäre es dann für’s erste, jetzt muss ich nur noch meine alten Daten auf das neue RAID-Array umziehen und das restliche Kubuntu einrichten 😉

Weitere Infos zu Software-RAID unter Linux und im speziellen unter (K)Ubuntu: http://wiki.ubuntuusers.de/Software-RAID?highlight=raid

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