Reisebericht Thassos Teil 3 – Nach 2018 und Herbst 2021 waren wir im Juni 2022 bereits das dritte Mal auf der griechischen Insel Thassos. Allein daran erkennt man, dass uns der „Smaragd der Ägäis“ in seinen grünen Bann gezogen hat. Kein anderes Reiseziel wurde von uns so oft angesteuert, wie Thassos. Hierfür gibt es verschiedene Gründe, die ich in den ersten beiden Reiseberichten (Thassos – Smaragd der Ägäis und Thassos Reisebericht Teil 2) bereits erwähnt bzw. angesprochen habe:

  • Die Anreise mit dem Flugzeug ist mit 2,5 Stunden ab München sehr moderat und in Summe selbst mit kleinen Kindern sehr gut machbar.
  • Die Insel selbst verspricht eine große Vielfalt: Strände und Buchten mit glasklarem Wasser neben ursprünglichen Ortschaften, aber auch kulturell interessante Ausgrabungsstätten.
  • Kindertaugliche Strände mit sanft abfallendem Zugang zum Meer und feinem Sand.
  • Das ganze eingerahmt von über 1200m hohen Bergen, teils dicht mit Kiefern und Platanen bewaldet.
  • Eine Inselrundstraße entlang der Küste, die mit ingesamt gut 50km sehr gut befahrbar ist und zu Entdeckungsfahrten einlädt.
  • Das Klima ist meistens recht angenehm und nicht so extrem heiß, wie an anderen griechischen Zielen. Dafür gibt es auf Thassos auch vier Jahreszeiten, d.h. die Saison beschränkt sich größtenteils auf die Sommermonate Mai bis Ende September. Wer gerne wandert und mit dem ein oder anderen Regenschauer kein Problem hat, der wird auch noch im Oktober auf Thassos glücklich werden.
  • Keinen Bock auf Badeurlaub? Kein Problem, Thassos hat auch viele tolle Wanderwege.
Thassos - Die Fährfahrt ist immer wieder ein Erlebnis
Thassos – Die Fährfahrt ist immer wieder ein Erlebnis

Alles in allem also ein tolles Reiseziel auch und gerade mit (kleinen) Kindern. In meinem dritten Reisebericht über Thassos möchte ich primär auf die Themen und Ziele eingehen, die ich in den ersten beiden Artikeln noch nicht angesprochen habe. Als Hotel haben wir wieder das hervorragende Makryammos Bungalows gewählt, das durch seine einmalige Lage an der Bucht von Makryammos besticht und dessen Bungalows sich am bewaldeten Hang verteilen. Wunderschön mit der Natur verschmolzen und eingewachsen, sieht man die Anlage von außen kaum. Hier ist es ruhig und schattig. Ideal für einen Familienurlau. Wer Party und Action sucht, der wird sich dagegen langweilen. Übrigens auch so eine Ausnahme: Wir buchen normalerweise nie das gleiche Hotel nochmal. Allein das zeigt, dass es besonders ist. Für uns als Familie mit zwei Kindern ist das Hotel wirklich eine Empfehlung, v.a. die „Superior Family Suite“ hat sich als Optimum herausgestellt: Ein großer Bungalow mit räumlich getrennten Schlafzimmern und sehr viel Platz. Nicht gerade günstig, aber sein Geld wert.

Mietwagen

Ein paar Worte zum Mietwagen auf Thassos: Will man Thassos ernsthaft erkunden und kennen lernen, dann ist ein Mietwagen eigentlich unabdingbar. OK, man kann zwar auch mit dem öffentlichen Linienbus die Insel befahren, aber damit wird man sich wohl eher auf die Ringstraße beschränken müssen. Die Routen ins Inselinnere werden nur selten oder gar nicht angefahren. Aber gerade hier gibt es interessante, ursprüngliche Flecken.

Bei unserem ersten Besuch haben wir den Mietwagen direkt am Flughafen von Kavala bei Hertz angemietet. Man muss sich dann zwar selbst um die Fährüberfahrt in Keramoti kümmern, was aber kein Problem darstellt. Im September 2021 haben wir den Mietwagen erst auf Thassos übernommen, da wir unser ganzes Gepäck nicht in eine Golfklasse bekommen hätten. Und noch ein wichtiger Punkt und Tipp: Auf Thassos empfiehlt sich ein Geländewagen. Es gibt hier noch so einige Schotterpisten, die man nicht mit herkömmlichen Miet-Autos befahren darf (Unterboden!) oder sollte und man dadurch interessante Gegenden nicht zu Gesicht bekommt. So haben wir bereits 2021 und auch 2022 einen Geländewagen direkt bei einem örtlichen Anbieter gemietet.

Suzuki Jimny von Potos Car Rentals - Idealer Begleiter auf Thassos
Suzuki Jimny von Potos Car Rentals – Idealer Begleiter auf Thassos

Hierfür kann ich Potos Car Rentals wärmstens empfehlen. Man bucht einfach im Vorfeld online seinen Mietwagen an einer der Stationen auf Thassos. Bezahlung erfolgt erst bei Anmietung. Abholung vom Hotel ist in einem gewissen Umkreis kostenlos. Alles hat beide male völlig reibungslos und professionell funktioniert. Wir haben für eine volle Woche einen Suzuki Jimny gemietet und mit Vollkasko gute 400€ bezahlt. Ein fairer Preis aus meiner Sicht. Nur die Benzinpreise sind in Griechenland mittlerweile in einem sehr „unangenehmen“ Bereich. Bei uns lagen die bei etwa 1,56€/l Super.

Potos Car Rentals vermietet aber nicht nur Geländewagen, sie haben auch diverse andere Fahrzeuge zu einem attraktiven Preis. Wie gesagt, ich kann den Verleiher wärmstens empfehlen. Selbst bei Problemen oder Pannen wird einem schnell geholfen, wie ich aufgrund einer defekten Autobatterie am ersten Tag gleich ausprobieren durfte. Nach einem Anruf bei der Notfall-Nummer und Schilderung des Problems, war der Techniker mit einer nagelneuen Ersatzbatterie innerhalb 40 Minuten bei uns.

Leere Autobatterie – Zuverlässiger Service schaffte schnell Abhilfe

Bergdörfer

Wer die Ursprünglichkeit Thassos erfahren will, der muss die Bergdörfer besuchen. OK, manches ist schon arg touristisch geworden die letzten Jahre. So mussten wir feststellen, dass Kastro leider völlig überrannt wird. Mitte Juni 2018 waren wir hier noch fast allein unterwegs und konnten die Stille des verlassenen Dorfes genießen. Kosta, der eine kleine Taverne betreibt und den Schlüssel zum Gebeinehaus und der Kirche verwahrt, hatte mehr als genug Zeit für ein Pläuschchen. Dieses Jahr war es das komplette Gegenteil. Bereits die Zufahrtstraße war zugeparkt, Kastro überrannt von rumänischen Touristen. Entnervt sind wir nach nicht einmal 10 Minuten umgedreht und wieder gefahren.

Taverne Vasilis in Kazavíti
Taverne Vasilis in Kazavíti

Etwas mehr Ruhe und Ursprünglichkeit bekommt man noch in Kazavíti und Kallirachis, während in Panagía aufgrund der Ringstraße schon mehr los ist. Meistens haben die Bergdörfer einen gleichnamigen Partner an der Küste. Diese Ortschaften beginnen im Namen immer mit „Skala“ (= Hafen eines ländlich gelegenen Hauptortes), z.B. Skala Kallirachis als Küstenort zum Bergdorf Kallirachis. Zu Zeiten ägäischer Piraten war es mehr als unsicher in Küstennähe zu siedeln, weshalb die Bewohner in das uneinsichtige bergige Hinterland zogen und dort neue Ortschaften aufbauten. Und bergig meint tatsächlich bergig. Immerhin hat Thassos vom Meer (0m) zum höchsten Punkt der Insel (Ipsarion) ganze 1206m Höhenunterschied. Aber nicht nur die Piraten trieben die Einwohner ins Bergland, auch die Malaria, die bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts im Sumpfland an der Küste noch allgegenwärtig war. Bis man mit massivem Einsatz von Insektenvernichtungsmitteln in den 1960er Jahren der Plage Herr wurde.

Seitdem verlassen die Jungen die Bergdörfer und siedeln in Küstennähe, in den „Skalas“, wo der Tourismus eine Einnahmequelle verspricht. Neben Tourismus und Landwirtschaft (und dem Marmorabbau) ist es auf Thassos nicht allzu gut bestellt mit Arbeitsplätzen. Die Alten bleiben dagegen in den Bergdörfern zurück, viele Häuser verfallen irgendwann. Sehenswert sind diese Dörfer allemal. Verwinkelte Gassen laden auch in der Sommerhitze zu einem Spaziergang ein, denn meistens sind hier oben die Temperaturen nicht so hoch. Uralte Platanen und Wallnussbäume sorgen für Schatten und ein angenehmes Klima. Das haben auch Touristen mit dem nötigen Kleingeld bemerkt und sich in die Dörfer eingekauft: Dem Verfall überlassene Häuser wurden aufgekauft und liebevoll saniert. So gab es v.a. in Kazavíti Zeiten, in denen viele Deutsche hier ein kleines Ferienhaus ihr Eigen nannten. Ein durchaus reizvolle Vorstellung muss ich gestehen.

Schieferdächer von Panagía - ein klassisches thassitisches Bergdorf
Schieferdächer von Panagía – ein klassisches thassitisches Bergdorf

Immer einen Besuch wert sind Kazavíti und Panagía, aber auch die Gassen von Kallirachis sind für einen Spaziergang empfehlenswert.

In Kazavíti lohnt sich ein Besuch in der Taverne „Vasilis“. Hier bekommt man exzellente traditionelle griechische Küche (probiert mal das köstliche, vegetarische Schmorgericht „Imam“!) zu einem mehr als fairen Preis. Die überdachte Terrasse im ersten Stock bietet einen Blick über den dichten Wald bis hinunter zum Meer. Werft unbedingt auch einen Blick in den Gastraum, der teilweise mehr an meine bayerische Heimat erinnert, als an Griechenland. Mit einem Feuer im offenen Kamin ist der Gastraum selbst im Winter sicherlich sehr einladend. Denn was man immer gerne vergisst: Hier im nördlichen Griechenland und auch auf Thassos gibt es vier Jahreszeiten, d.h. auch Winter mit Schneefall v.a. in den Bergen. So sieht Kazavíti schnell aus, wie ein Bergdorf in den Alpen oder im Bayerischen Wald.

Kirche von Kallirachis
Kirche von Kallirachis

Aufgrund der Inselhauptstraße, die direkt durch Panagía führt, herrscht hier viel mehr Trubel. Durchfahrtsverkehr, Auflugsbusse und Touristen, die schnell mal Halt machen, sorgen für regelmäßiges Verkehrschaos. Am besten man sucht sich eine Parkmöglichkeit am Ortsausgang und geht dann zu Fuß in die Ortschaft. An der Engstelle der Hauptstraße geht man Richtung Westen den Berg hinauf. Hier oben wird es dann schon ruhiger. Am Platz der drei Quellen angekommen (Quelle der Liebenden) ist man meistens fast alleine mit dem Rauschen der Quellen. Wieso dieser idyllische Fleck nicht mehr Touristen anlockt, habe ich mich auch gefragt und keine Antwort darauf gefunden. Ein paar Meter weiter liegt die Dorfkirche aus dem 19. Jahrhundert, mit einem schönen Vorplatz und einem noch schöneren Kirchenraum. Östlich von den Quellen führt ein kleiner Fußweg nach oben, entlang der Häuserreihen. Von hier hat man einen tollen Blick über die schiefergedeckten Häuser hinuntern bis ans Meer. Ein toller Blick, der Panagía am besten beschreibt, ohne ein Wort zu verlieren!

Mariés und Ipsarion

Eins der wohl am tiefsten im Hinterland gelegene Bergdorf ist sicherlich Mariés. Bereits die Anfahrt für durch eine ansprechende Landschaft. V.a. die vielen Olivenhaine, mit uralten knorrigen Bäumen und den darunter aufgestellten bunten Bienenstöcken laden zu einer kurzen Fotopause ein.

Uns selbst führte der dortige kleine Stausee und Wasserfall nach Mariés. Dafür durchquert man das Bergdorf und fährt am Ende der Ortschaft auf einer Schotterpiste ca. 3km weiter. Manche verirrten sich mit normalen Mietwägen dort hin, aber auch der ein oder andere Wanderer war unterwegs.

Tal von Mariés - Bienenstöcke im Olivenhain
Tal von Mariés – Bienenstöcke im Olivenhain

Der Stausee ist künstlich angelegt und der See eher ein grünes etwas, das nicht sonderlich einladend wirkte. Interessanter ist dagegen der Wasserfall, der sich Flussaufwärts befindet. Dazu muss man ab dem Stausee zu Fuß im Flussbett hinaufwandern. Mitte Juni war das Wasser schon so weit ausgetrocknet, dass das breite Flussbett nur noch von einem Rinnsal an Bach durchflossen wurde. Nach ein paar hundert Metern erreicht man dann auch schon den idyllisch gelegenen Wasserfall. Inmitten von Platanen und Kiefern rauscht der kleine Bach über mehrere Felsen herunter. Man könnte hier über die Felsen noch etwas weiter kraxeln, was ich aufgrund meines Begleiters (kleiner Sohnemann) nicht fortsetzte, denn wir hatten ein anders Ziel: den höchsten Punkt der Insel, den Gipfel des Ipsarions.

Mariés - Wasserfall
Mariés – Wasserfall

Die Schotterpiste führt ab hier nämlich weiter auf den Gipfel des Ipsarions. 1206m gilt es zu überwinden, auf einer Straße, die an vielen Stellen mehr Wanderweg als Straße ist und deren Steine faustgroß umherliegen. Selbst mit unserer „Bergziege“, dem wendigen und mit viel Bodenfreiheit ausgestatteten Suzuki Jimny, konnten wir den Gipfel nur mit durchschnittlich 10 bis 20km/h erklimmen. Gute 1,5 Stunden brauchten wir für die ca. 13km. Ein sehr staubiges Abenteuer. Nach vielen vielen Kurven, Schlaglöchern und Felsstufen erreicht man irgendwann den Gipfelparkplatz. Die restlichen paar Meter geht man dann zu Fuß auf den Gipfel. Vorbei an einer verfallenen Radarstation, die aufgrund von Bürgerprotesten nie in Betrieb ging. Anstatt das Ding abzureißen gab man es einfach der Witterung preis. Auch nicht die schönste Sehenswürdigkeit von Thassos ;-)

Der Blick hinunter zum Golden Beach ist jedoch einmalig. Man sieht die Bergdörfer Panagía und Potamiá. Wer will kann von Potamiá aus den Ipsarion auch zu Fuß erwandern. In etwa 4-5 Stunden erreicht man dann den Gipfel.

Schaut man nach Westen sieht man die Landschaft, die man gerade noch durchquert hat. Dichter Kiefernwald bedeckt die Berglandschaft. Man sieht die Straße, wie sie sich den Berg hoch windet und stellt jetzt erst fest, wie steil es daneben tatsächlich runter geht. Beste Einstimmung und ein kalter Schauer über den Rücken für die Rückfahrt ;-)

Ipsarion 1206m - Höchster Berg auf Thassos
Ipsarion 1206m – Höchster Berg auf Thassos

Funfact am Rande: Bei der Rückfahrt fragte mich meine Apple Watch – wohl aufgrund der Erschütterung, der Fortbewegungsgeschwindigkeit und Gegend – ob ich ein Mountainbike-Training aufzeichnen möchte.

Nach weiteren 1,5 Stunden ist man dann irgendwann wieder in Mariés angekommen.

Tipp: Schaut euch nach Verkaufsständen für örtlichen Honig um. Der thassitische Kiefernhönig ist köstlich herb und von ausgezeichneter Qualität! Viele Imker haben ihre Bienenstöcke in der Gegend des Ipsarions aufgestellt und bieten in Mariés ihre Erzeugnisse an.

Wir waren uns anfangs nicht sicher, ob es eine gute Idee ist, mit dem Jeep auf den Ipsarion zu fahren, v.a. mit Kindern als Passagiere. Mit Geduld und etwas Fahrkönnen ist es durchaus machbar. Die Straße ist an den meisten Stellen breit genug auch einem entgegen kommenden Fahrzeug auszuweichen. Vorsichtig sollte man aber allemal sein. An einer Stelle mussten wir sogar den Allrad dazu schalten, zu rutschig waren die Felsstufen, die wir überfahren mussten. Am Ende war es jedoch ein unvergessliches Abenteuer!

Ipsarion – Blick in den Westen
Ipsarion – Blick in den Osten

Limenaria

Da das Leben mit Kindern aus Kompromissen und Verhandlungen besteht, war der Deal nach der anstrengenden Ipsarion-Fahrt eine Pizza, die man auf Thassos aber gar nicht so leicht findet. Mit Google-Suche und Co stießen wir dann auf eine Pizzeria in Limenaria, was von Skala Marion aus gut erreichbar ist.

Wer also auch auf der Suche nach einer leckeren Pizza ist, der wird im Café Amici direkt am Strand von Limenaria fündig. OK, bitte erwartet in Griechenland keine „echte“ italienische Pizza, aber die Sache kommt schon nahe ran und hat den Kindern gut geschmeckt. Versprechen eingehalten, alle glücklich.

Und weil wir schon in Limenaria waren, haben wir noch einen Abstecher zum Hafen und zur alten Krupp-Villa gemacht. Das Palataki („Palästchen“) genannte Gebäude stammt aus einer Zeit, als man auf Thassos noch wertvolle Erze abbaute und hier verschiffte. Die Fa. Krupp bzw. Speidel hatte hier auf dem Hügel über Limenaria ihren Firmensitz. Das Palataki und die darum angesiedelten Industrieanlagen wurden ab 1903 erbaut und bis 1963 genutzt. Erze wurden hier mühevoll sortiert und in den den gemauerten Hochöfen eingeschmolzen. Der nahe gelegene Hafen diente als Verladeplatz. Die Gebäude stehen heute leider leer und werden nicht genutzt.

Unterhalb der Anlage befindet sich eine schöne Badebucht, die – wie sollte es anders sein – Metalia Beach heißt. Durchaus interessant und einen Abstecher wert, wenn man in der Nähe ist.

Limenaria - Relikt aus industriellen Zeiten: Alter Hochofen
Limenaria – Relikt aus industriellen Zeiten: Alter Hochofen

Giola

Wer im Internet nach Thassos sucht, der wird recht schnell auf das natürlich entstandene Felsbecken Giola stoßen. Aphrodites Träne wird Giola aufgrund der Tränenform auch genannt. Auf den Bildern wird Giola als einsames, glasklares Wasserbecken dargestellt. Höchstens mit (vorzugsweise) einer Schwimmerin im Becken. Man muss nicht der Schlaueste sein, um darauf zu kommen, dass die Lagune in der Realität etwas anderes für den geneigten Besucher bereit hält.

Giola liegt im Südosten der Insel in einem sehr felsigen Gebiet. Angeblich wurde Giola von einem Ziegenhirten zufällig gefunden als er auf der Suche nach entlaufenen Tieren war. Bereits beim ersten Besuch 2018 führe eine unbefestigte Straße von der Ringstraße hinunter zu einer kleinen Taverne von wo aus ein steiniger und felsiger Fußweg zur Lagune führte. Giola selbst bietet keinerlei Schatten in der Nähe, was man bedenken sollte, wenn man in den Sommermonaten unterwegs ist.

Giola - Ein Schild weist den Weg
Giola – Ein Schild weist den Weg

Mittlerweile ist Giola aufgrund der Popularität zur Werbeikone aufgestiegen (am Flughafen in Kavala wurde bereits mit riesigen Giola-Plakaten für Thassos geworben) und zum Kommerz-Wasserloch abgestiegen. Es wurde eine Touristeninfrastruktur aus dem Boden gestampft: Parkplätze, eine kleine Bar und ein Kiosk sowie ein angelegter Fußweg. Natürlich so gestaltet, dass der Weg zuerst zum Kiosk führt und dann zu Giola. Ganze Wellen an Besuchern wälzen sich den Berg hinunter und kurze Zeit später wieder hinauf. Wieder sind die Rumänen in auffallender Stärke vertreten, fahren sie doch mit dem eigenen PKW auf die Insel und touren dort die küstennahen Sehenswürdigkeiten ab. Mit dem halben Hausstand (Sonnenschirme, Liegen, Luftmatratzen und Kühlboxen) und mit Kind und Kegel macht man sich auf zur „idyllischen“ Lagune, um festzustellen, dass es hier weder gemütlich, noch idyllisch ist. Kurze Zeit darauf macht sich der Tross auf den steilen Weg zurück zum Auto. Ich war mehr damit beschäftigt den Leuten zuzusehen, als Giola zu „bewundern“.

Leider ist Giola zu einem Negativbeispiel verkommen, wie man eine interessante Felsformation zu einem überlaufenen, völlig gehypten und trüben Tümpel macht. Giola mag außerhalb der Hauptreisezeiten ein interessantes Fotomotiv sein. Wenn sich die Sedimente im Wasser abgesetzt haben und man mit einem Polfilter die Spiegelungen eliminiert hat. Oder vielleicht zum Sonnenaufgang? Wer weiß.

Auch wenn man in Verbindung mit Thassos sofort auf Giola stößt: Lasst es. Ein völlig überbewertetes Ziel, genau wie die Marble Beaches, die auch nur noch ein Schatten ihrer selbst sind und völlig überrannt werden.

Giola - Vom Postkartenmotiv weit und breit keine Spur
Giola – Vom Postkartenmotiv weit und breit keine Spur

Kloster Archangelos und Aliki

Auf dem Rückweg von Giola entlang der Küstenstraße kommt man am Kloster Archangelos vorbei – zumindest, wenn man nordöstlich Richtung Limenas fährt. Das Kloster liegt auf einer Anhöhe, direkt an einem Felsvorsprung. Von weitem sieht man das Kloster bereits von der gegenüberliegenden Seite, bevor man eine Senke hinunter fährt und der Straße wieder bergauf folgt. Wir haben den Geländewagen allerdings genutzt und sind in der Senke in eine Schotterpiste eingebogen, hinunter zum Meer. Die Piste führte durch einen kleinen Bachlauf zu einem sehr schönen Strand, umgeben von der Steilküste, links oben das Kloster. Für solche Abstecher und Erkundungstouren ist ein Geländewagen wirklich sehr empfehlenswert, es macht Spass und bietet Abwechslung.

Das Kloster Archangelos an der steilen Küste im Osten von Thassos

Nach einem Foto- und Drohnenstop ging es weiter zum Kloster, wo wir uns schon gefreut hätten, dass die Horden abzogen sind und wir tatsächlich einen Parkplatz bekommen haben. An der Pforte dann die Ernüchterung: Am Nachmittag hat das Kloster geschlossen. Deshalb auch der sich leerende Parkplatz. Naja, laut diversen Berichten ist das Kloster an sich sowieso nicht so sehenswert, vielmehr die Aussicht. Und die hat man auch am Vorplatz des Klosters. Wir hatten so gute Sicht, dass man den heiligen Berg Athos (Berg der Mönchsrepublik Athos, einer der drei „Finger“ der Chalkidiki) sehen konnte, dessen Gipfel mit einer Wolkenschwade verhüllt war. Ein wirklich tolles Panorama.

Panoramablick vom Klostervorplatz - im Hintergrund der hl. Berg Athos
Panoramablick vom Klostervorplatz – im Hintergrund der hl. Berg Athos

Auf dem weiteren Weg liegt unser persönliches Highlight von Thassos: Die kleine Halbinsel Aliki. Auf jeder unserer Thassosreisen waren wir hier. Dieses mal haben wir nur die Südspitze besucht und den Nachmittag damit verbracht Krebse und Fische im seichten Wasser des antiken Marmorsteinbruchs zu beobachten. Wer mehr über Aliki erfahren will, der sollte sich die Reiseberichte Teil 1 und Teil 2 ansehen. Im Gegensatz zu Giola und Archangelos ist Aliki wirklich einen Besuch wert! Trotz der PKW-Massen, die auch hier geparkt haben. Die meisten Leute sind nämlich am Strand und weniger auf der Halbinsel selbst.

Aliki aus südlicher Sicht - Antiker Steinbruch im flachen Wasser
Aliki aus südlicher Sicht – Antiker Steinbruch im flachen Wasser

Limenas

Die Inselhauptstadt ist aus meiner Sicht immer einen Besuch wert. Hier befindet sich der alte und neue Hafen, ideal für einen kleinen Spaziergang. Viele tolle Tavernen und Restaurants laden zum Verweilen ein. Bereits letztes Jahr haben wir einige antike Hinterlassenschaften besucht, dieses Jahr haben wir uns auf die nördlichste Landspitze mit der kleinen Kirche Ekklisia Agioi Apostoli konzentriert. In der Nähe befindet sich auch das antike Theater, das leider seit einigen Jahren für Besucher gesperrt ist. Die Ausgrabungen und Restaurierungen ziehen sich hin. Auch wenn man das direkte Areal nicht betreten darf, kann man vom Zaun aus einen Blick hinunter werfen. Die Steintreppen und Sitzplätze sind teilweise von den Archäologen entfernt worden. Sie werden genau untersucht, gereinigt und an ihrer ursprünglichen Stelle wieder eingebaut. Wie lange es noch dauert, bis man das Theater besuchen kann? Ich glaub das weiß niemand so genau ;-)

Die kleine Ekklisia Agioi Apostoli auf einer Tempelruine errichtet
Die kleine Ekklisia Agioi Apostoli auf einer Tempelruine errichtet

Von hier aus kann man übrigens auch durch den Wald zum Kastro von Limenas wandern. Ein leider völlig verfallener Laternenweg weist die Richtung. Wie mag es wohl vor Jahren ausgesehen haben, als die Lichter noch neu waren und abends den Weg erleuchteten? Sicherlich sehr romantisch. Aber das ist leider eine negative Eigenschaft, der sonst so herzlichen Griechen. Dinge werden errichtet und dann kümmert sich keiner mehr darum. Eigentlich tolle Ideen und Einrichtungen werden dem Verfall preis gegeben, weil kein Geld mehr da ist für die Instandhaltung. Ähnliches sieht man an den vielen Ausgrabungsstätten in der Stadt. Info-Tafeln sind teils massiv verfallen, obwohl sie eigentlich Interessantes für den Besucher bereit halten würden. Das ist mehr als Schade.

Dauerbaustelle im antiken Theater von Limenas
Dauerbaustelle im antiken Theater von Limenas

Wer auf Töpferwaren steht, der sollte unbedingt bei Kostis vorbei schauen. Am westlichen Ende von Limenas befindet sich seine Töpferei. Direkt am Strand mit Blick zum Festland. Kostis ist eine wahre Institution und betreibt die Töpferei schon seit vielen vielen Jahren, hat es von seinem Großvater gelernt und übernommen. Bereitwillig zeigt er Besuchern seine Werkstatt und erzählt mit einem sympathischen Mischmasch aus Englisch, Deutsch und Griechisch über vergangene Zeiten und aktuelle Gegebenheiten. Kostis arbeitet v.a. in den Wintermonaten und stellt allerlei Töpferwaren her, die er dann im Sommer an seine Kunden verkauft. Ein empfehlenswerter, interessanter und kurzweiliger Besuch. Und: Über das ein oder andere getöpferte Mitbringsel werden sich die Daheimgebliebenen sicher freuen.

Töpfer Kostis bei der Arbeit in seiner Werkstatt

Beste Reisezeit für Thassos

Als Fazit nach drei Besuchen auf Thassos möchte ich v.a. etwas zur besten Reisezeit sagen: Besucht Thassos Anfang bis Mitte Juni. Hier ist es bereits sonnig und warm, meistens gibt es (fast) keinen Regen. Dafür sind die rumänischen Blechlawinen noch nicht unterwegs: Die rücken anscheinend erst zur Ferienzeit aus und diese reicht in Rumänen von Mitte Juni bis Mitte September. Weder 2018 noch letztes Jahr ist uns dies so extrem negativ aufgefallen, wie heuer. Die Insel ist für solchen PKW-Verkehr schlicht und ergreifend nicht ausgelegt. Hinzukommt das teilweise arg rücksichtslose Verhalten mancher osteuropäischer Zeitgenossen. So verließen wir unsere eigentlich geliebte grüne Insel etwas zwiegespalten und mit der Befürchtung, dass es das war mit dem ruhigen „Geheimtipp“ unter den griechischen Inseln. Allein der Ausbau der Infrastruktur um Giola zeigte uns, dass der Touristenansturm nicht nur saisonal war, sondern wohl generell die letzten Jahre hochgefahren ist. V.a. der PKW-Reiseverkehr aus Rumänien, Bulgarien, der Türkei und ja sogar aus der Ukraine und Moldau hat enorm zugenommen. Zumindest wurde uns das von Einheimischen so bestätigt. Und die sind in der Zwickmühle: Auf der einen Seite leben sie von den dringend benötigten Touristeneuros, auf der anderen Seite müssen sie zusehen, wie sie von PKW-Schlangen überrollt werden.

Ob wir wiederkommen? Sicher, aber dann außerhalb der Hauptreisezeit der osteuropäischen Nachbarn.

Abschließend sei noch der tolle und ausführliche Reiseführer von Michael Müller erwähnt, der ein unverzichtbarer Begleiter auf Thassos ist: Michael Müller Verlag – Thassos mit Samothraki

αντίο Thassos!
αντίο Thassos!

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