Andalusien – im äußersten Süden des spanischen Festlands gelegen bietet nicht nur wunderschöne Strände und Bademöglichkeiten, sondern auch allerhand interessanter Ausflugsziele.

Im Herbst, wenn die Sonne bereits tiefer steht und es aber immer noch schön warm ist, bietet Andalusien tolle Fotomotive, die in goldenes Licht getaucht werden. Und so verbrachten wir im Herbst 2014 eine Woche in Andalusien, um die Gegend rund um Nerja bzw. die von dort einigermaßen erreichbaren Highlight zu erkunden.

Anreise

Die Anreise nach Andalusien ist relativ unspektakulär. Man fliegt nach Málaga an die Costa del Sol und hat von hier einen sehr guten Ausgangspunkt Andalusien zu erkunden. Wir selbst hatten unser Hotel jedoch in Nerja, etwa 70km vom Flughafen entfernt, am äußerst östlichen Punkt der Provinz Málaga. Ein Urlaubsort wie er im Buche steht, über die Autobahn direkt zu erreichen, sehr touristisch. Aber mit einer schönen Altstadt und einer wunderschönen Küstenlinie. V.a. der Ausblick vom Balcón de Europa direkt im Zentrum der Ortschaft ist grandios: Auf einem erhöhten Felsvorsprung hat man einen atemberaubenden Blick aufs Meer und die nahe gelegenen Buchten.

Rund um Nerja befinden sich einige interessante Sehenswürdigkeiten, die die Ortschaft durchaus interessant machen. Dazu aber später mehr.

Granada – Alhambra

Granada - Alhambra
Granada – Alhambra

Ein absolutes Muss, wenn man in Andalusien ist und sich etwas ansehen will, ist wohl Granada mit der Alhambra. Vor allem im besagtem Herbst, wenn die Sonne tief steht, dann ist die Alhambra ein willkommenes Fotomotiv und wird ihrem Namen absolut gerecht Alhambra – „die rote“.

Etwa 100km und eine gute Stunde Fahrzeit muss man von Nerja nach Granada einplanen. Nachdem der touristische Hotspot die Alhambra ist und nur ein begrenztes Kontingent an Personen alle Bereiche (Nasridenpalast war damals auf ca. 7.000 Besucher pro Tag beschränkt) besuchen dürfen, ist frühes aufstehen angesagt.

Man kann zwar auch online Karten reservieren bzw. kaufen, das Kontingent war bei jedoch bereits erschöpft. Also mussten wir uns bereits um 06:30 Uhr Richtung Granada aufmachen, damit wir rechtzeitig zur Öffnung dort waren und noch ein Ticket bekamen. Direkt in der Nähe gibt es einen sehr großen Parkplatz, wo wir den Mietwagen abstellen konnten. Wenige Gehminuten später waren wir schon an den Ticketschaltern und mussten feststellen, dass sich trotz Dunkelheit (die Sonne geht im Herbst einfach recht spät auf in Spanien) bereits eine lange Schlange gebildet hatte.

An dieser Stelle ein Tipp: Wer sein Ticket am Automaten mit Kreditkarte zieht, der ist meistens deutlich schneller. Wir konnten damit die komplette Schlange umgehen und hatten innerhalb 10 Minuten unsere Eintrittskarten.

Sehr zu empfehlen ist ein generelles Ticket, also mit Zutritt zur Alcazaba, zum Nasridenpalast und zum Generalife. Die Palastanlagen sind atemberaubend schön, man kann sich gar nicht satt sehen und findet an jeder Ecke ein neues Fotomotiv. Aber auch die umliegenden Gärten vor dem Generalife bzw. auf dem Weg zum Generalife sind äußerst sehenswert.

Aber Bilder sprechen mehr als Worte:

Die Alhambra ist sehr abwechslungsreich und es macht Spass durch die Bereiche zu schlendern, immer wieder sieht man neues oder andere Perspektiven. Durch unsere frühe Ankunft und wahrscheinlich auch, weil es bereits Oktober war, hielten sich die Touristenmassen auch in Grenzen bzw. haben sich gut verteilt.

Im Anschluss an unseren Alhambra-Besuch sind wir dann noch mit dem Kleinbus in die Stadt Granada hinunter gefahren. Ebenfalls absolut empfehlenswert, Granada ist eine tolle Stadt. Mit Tapas gestärkt fuhren wir mit dem Bus wieder zurück zum Parkplatz an der Alhambra und dann ging es am späten Nachmittag auch schon wieder zurück nach Nerja.

Tapasbar in Granada

Ronda

Gut zwei Stunden und ca. 160km entfernt von Nerja liegt die Kleinstadt Ronda. Wenn man in Andalusien ist, ist Ronda pflicht: Auf einer Anhöhe auf etwa 700m über dem Meeresspiegel liegt dieses Juwel: Eine der ältesten Städte Spaniens mit einer wunderschönen Altstadt und der 120m hohen Steinbrücke Puente Nuevo, sicherlich das touristische Highlight. Ronda hat auch eine große Bedeutung in der Entstehung des heutigen Stierkampfes. Die Regeln nach denen der Kampf abläuft wurden in Ronda entwickelt und gelten bis heute. Folglich findet sich auch eine Stierkampfarena in der Stadt.

Alozaina
Alozaina

Übrigens sind wir von Osten auf kürzestem Weg nach Ronda gefahren, d.h. die Straßen sind nicht gerade super ausgebaut, und es sind unzählige Kurven und Steigungen zu bewältigen. Die grandiose Landschaft entlohnt einem aber mehrfach für den Weg. Man durchquert den Naturpark Sierra de las Nieves, ein Gebirgszug mit tiefen Schluchten und Abgründen. Mit 1919m ist der Torrecilla hoch genug, damit hier Schnee gesammelt werden konnte – hier rührt auch der Name des Gebirgszuges her, der übersetzt soviel heißt wie Schneegebirge. Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich und auch so manche Ortschaft auf dem Weg lohnt eine kleine Pause. Ein wahres Schmuckstück ist dabei Alozaina, deren Häuser sich an und auf einen Hügel schmiegen. Den höchsten Punkt nimmt eine kleine Kirche ein, die weithin sichtbar ist. Ein super Fotospot, wenn man einfach auf der Zufahrtsstraße zur Seite fährt und den Blick genießt, während man den richtigen Bildausschnitt sucht.

Aber zurück zu Ronda: Über die kleine Ortschaft El Burgo erreichten wir Ronda auf der A-366. Von dort aus kommend haben wir nach einem Parkplatz/Parkhaus ausschau gehalten und eigentlich eines der erstbesten genommen – obwohl es vielleicht weiter im Zentrum auch noch weitere Parkplätze gab (und gab es auch).

Ronda - Felsvorsprung
Ronda – Felsvorsprung

Hat man das Auto abgestellt, geht man am besten nach Südwesten, bis man die Promenade direkt am Felsvorsprung erreicht. Hier ist der Blick einfach gewaltig. Hier merkt man, wie hoch Ronda liegt und wie tief es steil hinunter geht. Spaziert man hier entlang Richtung Puente Nuevo, erreicht man bald die Stierkampfarena und die Brücke selbst. Ein architektonisches Meisterwerk. Hat man die Brücke überschritten befindet man sich in der Alstadt Rondas.

Für mutige, die den besonderen Fotospot suchen hier ein Tipp: Hält man sich in der Altstadt immer rechts, erreicht man nach ein paar Minuten den Plaza Maria Auxiliadoria. Hier gibt es einen tollen Aussichtspunkt, der aber keinen guten Blick auf die Puente Nuevo bietet, in deren Nähe jedoch ein Weg hinab zur Brücke führt. Und mit hinab zur Brücke meine ich eigentlich hinab unter die Brücke. Ein inoffzieller Weg, der mit diversen Warnschildern gespickt und auch schon arg reparaturbedürftig war. Hier muss man gewaltig aufpassen, dass man nicht abstürzt, es geht stellenweise senkrecht nach unten! Irgendwann befindet man sich dann unter der Brücke und kann die riesigen Pfeiler bestaunen.

Tief unter der Ponte Nuevo
Tief unter der Ponte Nuevo

Auf dem Rückweg empfiehlt es ich dann noch dem offiziellen Weg etwas zu folgen, denn dann erreicht man einen Aussichtspunkt mit perfektem Blick auf die Brücke und den Wasserfall, der unter ihr hervorschießt. Postkartenmotiv lässt grüßen! Ronda ist wirklich ein dankbares Fotoparadies mit tollen Motiven an jeder Ecke.

Zurück in der Altstadt machen wir zuerst eine kleine Pause. Selbst im Oktober ist die Sonne noch so heiß, dass der steile Rückweg doch etwas anstrengender ist.

Nach unserem Stop erkunden wir die Ostseite der Altstadt und nehmen die Puente Viejo – die alte Brücke, die deutlich tiefer liegt als die große Schwester, aber einen imposanten Blick in die Schlucht und auf die Puente Nuevo bietet. Durch den Park auf der Nordseite der alten Brücke (Park Jardines De Cuenca) gehen wir wieder hoch zur Neustadt.

Wir schlendern noch etwas durch Ronda und machen uns dann auch wieder auf den langen Heimweg – mehr als 2 Stunden anspruchsvolle Fahrt liegen vor uns.

Córdoba

Als drittes großes Ziel stand auf unserer Liste Cordoba. V.a. wegen der Mezquita und der wunderschönen Altstadt für uns ein Muss. Die Altstadt ist eine der größten erhaltenen Europas und ist in weiten Teilen seit 1994 UNESCO-Weltkulturerbe.

Gut 2 Stunden und 200km fährt man von Nerja – dafür größtenteils auf Autobahnen und nicht auf Landstraßen wie nach Ronda. Liest man etwas über Córdobas Klima im Reiseführer oder im Internet, wird man die Aussage finden, dass durch die geografische Lage der Stadt hier mitunter die höchsten Temperaturen in Europa vorherrschen und es sehr trocken ist. Regen konzentriert sich auf die Monate Dezember bis Februar.

Wieso es genau bei uns allerdings in strömen regnete und relativ kühl war, zählt wohl zu den statistischen Ausreißern 😉 Egal, Córdoba ist auch bei schlechtem Wetter mehr als sehenswert – und anfangs hatten wir auch eine Regenpause 😉

Geparkt haben wir sehr zentral im Parkhaus Parking la Mezqita Córdoba, was die Fußwege sehr kurz machte.

Hufeisenbögen in der Mesquita-Kathedrale
Hufeisenbögen in der Mezquita-Kathedrale

Als erstes stand auf unserem Plan natürlich die Mezquita-Kathedrale. Mit ihren 23.000m² ist die Mezquita einer der größten ehemaligen Moscheenbauten weltweit und wurde 1236 nach der Reconquista in eine Kirche umgewidmet und umgebaut. Ein faszinierendes Bauwerk, das man gesehen haben muss.

Nach dem Rundgang durch die Mezquita besuchen wir die Puente Romano, die den Fluss Guadalquivir überspannt. Von hier aus sieht man die alte Mühle, am Uferrand und ein eine Ruine im Fluss. Die Brücke wurde von den Römern im Jahr 45 v.Chr. erreichtet und diente auch in Game of Thrones als Kulisse.

Im Anschluss schlenderten wir natürlich noch durch die wunderschöne Altstadt und genossen ein paar Tapas, bevor es bei ordentlich Regen zu unserer letzten Station ging: Alcázar de los Reyes Cristianos. In den Palastanlagen selbst ging es ja noch, aber wir wollten auch die Gärten besichtigen. Ein Gutes hatte der Regen: Wir waren fast alleine 😉

Durchnässt und frierend gingen wir zurück zum Parkhaus und machten uns auf den Heimweg.

In und um Nerja

Wie eingangs erwähnt, bieten Nerja selbst und die nähere Umgebung ein paar sehr sehenswerte Örtchen oder Besonderheiten.

Nerja

Blick vom Balcón de Europa

Nerja selbst hat eine schöne kleine Altstadt, dessen Zentrum unweigerlich der Balcón de Europa ist – ein Felsvorsprung auf dem man einen tollen Blick auf die Costa del Sol hat und gleichzeitig als Flaniermeile dient.

Aber auch abseits in den kleinen Gassen – überspannt mit dreieckigen Sonnensegeln – haben die liebevoll hergerichteten Häuser ihren Charme. Ein kleiner Abstecher an den nahe gelegenen Strand Playa de Salón lohnt ebenfalls.

Frigiliana

15 Minuten nördlich von Nerja liegt das kleine Bergdorf Frigiliana, dessen Häuser alle weiß gekalkt sind. Die Besitzer werden dazu verpflichtet ihre Häuser in regelmäßigen Abständen zu kalken. Die Lage und der tolle Anblick hat Frigiliana schon mehrmals den Titel „schönstes Dorf Andalusiens“ eingebracht.

Frigiliana

Eine Besonderheit sollte man sich hier nicht entgehen lassen: Der Miel de Caña – ein aus Zuckerrohr hergestellter „Honig“ – eine Fabrik dafür befindet sich noch heute in Frigiliana.

Ansonsten kann man über die schmalen Gassen einem Pfad folgen, der auf den Hügel des Ortes führt. Gutes Schuhwerk vorausgesetzt erhält man für seine Mühen einen grandiosen Ausblick über das Örtchen bis hin zum Meer.

Maro

Wer will, kann einen kleinen Abstecher nach Maro unternehmen. Der Ortskern ist ganz nett. Die wirkliche Sehenswürdigkeit ist jedoch auf dem Weg von Nerja nach Maro: Das Aquädukt Aguila, das früher die Zuckerfabrik in Maro mit Wasser versorgte.

Aquädukt Aguila

Fazit

Andalusien ist wirklich traumhaft und bietet enorm viel Abwechslung. Man kann hier super baden, aber auch kulturell ist einiges geboten. Definitiv eine Gegend, die man öfters bereisen kann.

Als Reiseführer kann ich eine Ausgabe des Michael Müller Verlages oder von Baedeker empfehlen:

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