Seit vielen Jahren nutze ich die Netzwerkkomponenten von Ubiquiti (UniFi – Professionelles Netzwerk (auch) für zuhauseNetzwerk im Neubau – Tipps zur Planung und Umsetzung), seit fast genau zwei Jahren auch den sogenannten UniFi Cloud Key Gen2 Plus. Und weil es gefühlt meistens so ist, dass kurz nach Gewährleistungsende ein Defekt auftritt, ist dies auch bei meinem UCKG2Plus eingetreten: Festplattendefekt.

Allerdings war es gar nicht so einfach, den Defekt der integrierten 2,5Zoll-Festplatte zu diagnostizieren. Die Anzeige für den Storage im UniFi OS sagte mir nur, dass alles in Ordnung sei („Healthy„, „Everything is Great!„). Aufgefallen ist mir der Ausfall auch nur, weil ich mich nicht mehr auf meine UniFi Protect Kameras verbinden konnte. Die ganze App war offline bzw. hing. Die UniFi Network App dagegen war betriebsbereit und steuerte wie gewohnt mein Netzwerk. Im Fehlerlog war ebenfalls nichts hinterlegt, also dachte ich, ein einfacher Neustart würde das Problem beheben. Gesagt, getan und sowohl Protect, als auch Network funktionierten wieder einwandfrei. Für vielleicht zwei Stunden. Dann das gleiche Problem. Nur diesmal hing Protect im Status Start und Network im Status Starting. Nichts ging mehr. Fehlerlog und Storagestatus waren dagegen unverändert.

Screenshot: UniFi OS zeigt hängende Network und Protect App an.
UCKG2Plus – Defekte Festplatte, Network und Protect funktionsuntüchtig

Erst nachdem ich SSH aktiviert hatte und mich direkt per Terminal auf dem Cloud Key eingeloggt hatte, fand ich erste Anzeichen für einen Ausfall der integrierten Festplatte: Mehrere Fehlereinträge im Error-Log (/var/log/error).

2022-12-23T21:34:25+01:00 UniFi-Controller unifi[2147]: init-uos complete...
2022-12-23T21:36:15+01:00 UniFi-Controller kernel: sda2: WRITE SAME failed. Manually zeroing.
2022-12-23T21:43:09+01:00 UniFi-Controller kernel: proc: unrecognized mount option "hidepid=invisible" or missing value
2022-12-23T21:44:10+01:00 UniFi-Controller kernel: proc: unrecognized mount option "hidepid=invisible" or missing value
2022-12-23T21:47:20+01:00 UniFi-Controller kernel: blk_update_request: critical target error, dev sda, sector 675953744
2022-12-23T21:47:20+01:00 UniFi-Controller kernel: blk_update_request: critical target error, dev sda, sector 1711163968
2022-12-23T21:47:20+01:00 UniFi-Controller kernel: blk_update_request: critical target error, dev sda, sector 675953792
2022-12-23T21:47:20+01:00 UniFi-Controller kernel: blk_update_request: critical target error, dev sda, sector 1719377824
2022-12-23T21:47:20+01:00 UniFi-Controller kernel: Buffer I/O error on device sda4, logical block 201290740
2022-12-23T21:47:20+01:00 UniFi-Controller kernel: Buffer I/O error on device sda4, logical block 201290741
2022-12-23T21:47:20+01:00 UniFi-Controller kernel: blk_update_request: critical target error, dev sda, sector 1292110016
2022-12-23T21:47:20+01:00 UniFi-Controller kernel: Buffer I/O error on device sda4, logical block 147882264
2022-12-23T21:47:20+01:00 UniFi-Controller kernel: Buffer I/O error on device sda4, logical block 147882265
2022-12-23T21:47:20+01:00 UniFi-Controller kernel: Buffer I/O error on device sda4, logical block 147882266
2022-12-23T21:47:23+01:00 UniFi-Controller kernel: blk_update_request: critical medium error, dev sda, sector 675953744

Komischerweise brachte ein S.M.A.R.T.-Schnelltest mit den Smartmontools nur ein PASSED. Der Befehl für den Schnelltest:

smartctl -a /dev/sda

Also Test bestanden. Erst der ausführliche Test, der mehrere Stunden dauert, förderte 8 Errors zu Tage, die einen Defekt der Festplatte klar machten.

smartctl -t long /dev/sda 

Sucht man etwas im Internet, wird man schnell fündig: Viele Nutzer berichten von Festplattenausfällen nach mehr oder weniger langen Zeiträumen. Ich muss sagen, ich war und bin schon etwas erstaunt, dass nach knapp zwei Jahren die Festplatte bereits defekt ist, während die vier 2,5 Zoll WD Red Festplatten in meinem Server seit mehr als 8 Jahren ihren Dienst verrichten.

Der Austausch der Festplatte ist dagegen kein großer Akt und dauert keine 5 Minuten. Nachdem ich meinen UCKG2Plus aus dem Rackrahmen ausgebaut hatte, musste ich nur den Festplatten-Entriegelungshebel ziehen und die HDD auswerfen. Der Schlitten für die HDD ist werkzeuglos, die defekte Festplatte somit schnell ausgebaut.

UCKG2Plus: Ausgebaute defekte Toshiba Festplatte
UCKG2Plus: Ausgebaute defekte Toshiba Festplatte

Benötigt wird die Festplatte v.a. für Protect, da hier die aufgezeichneten Videos für einen definierten Zeitraum gespeichert werden. Mit ihren 1TB Speicherplatz war sie die letzten zwei Jahre mehr als ausreichend und lief höchstens zu 75% voll. Also wieder eine 1TB Festplatte verbauen? Sicher nicht. Im Jahr 2022/2023 macht es aus meiner Sicht für so kleine Datenmengen wenig Sinn noch auf klassische Festplatten zu setzen, die langsam sind und deren Ausfallswahrscheinlichkeit bei Dauerbetrieb relativ hoch ist. Wieso Ubiquiti bei einem solchen Gerät noch auf HDDs setzt ist mir schleierhaft. Kann wohl nur daran liegen, dass massenweise Festplatten dieses Typs für kleines Geld eingekauft wurden.

Für einen Austausch macht es dagegen viel mehr Sinn auf eine SSD zu setzen. Ich habe mir deshalb eine (sehr gut bewertete) Crucial MX500 mit 1TB Speichergröße bestellt. Für 55€ (Stand 06/23) ist sie nicht teurer als eine vergleichbare 2,5 Zoll Festplatte, dafür mehr als fünf mal so schnell, benötigt weniger Strom und sollte auch länger halten. Wer mag, kann auch eine größere Variante verbauen, auch hier haben sich die Preise die letzten Monate annähernd halbiert: Crucial MX500 2TB (06/23: 105€), Crucial MX500 4TB (06/23: 200€).

UniFi Console: Rückspielen des Backups
UniFi Console: Rückspielen des Backups

Die MX500 passt perfekt in den Rahmen und der UCKG2Plus erkennt diese ohne Probleme als Storage. Nach dem Austausch habe ich das kurz vor dem Festplattenausfall erzeugte Backup zurück gespielt, Protect und Network liefen dann wieder wie gewohnt. Nur die aufgezeichneten Videos waren natürlich verloren. Was mir aber egal war, da in der letzten Zeit nichts relevantes vorgefallen ist.

Die SDD zeigte aber sofortige Performanceverbesserungen: V.a. der Aufruf gespeicherter Video-Sequenzen geht jetzt deutlich flüssiger und schneller. Auch das Starten des UCKG2Plus und der Apps ist nun deutlich flüssiger. Wieso Ubiquiti also immer noch auf veraltete Technologie setzt ist sehr irritierend und kann eigentlich nur mit Kostensparmaßnahmen begründet werden (auch wenn SSDs mittlerweile für den Endverbraucher gleich günstig sind).

UCKG2Plus mit SSD
UCKG2Plus mir Crucial MX500 SSD

Das bringt mich auch gleich zu einem weiteren Kritikpunkt: Bei meiner Recherche habe ich auch mehrere Berichte über defekte Akku-Packs gefunden. Neben den Festplatten werden wohl auch die Akku-Packs defekt. Diese blähen sich irgendwann auf und der Cloud Key kann bei Spannungsverlust nicht mehr geregelt herunter fahren. Den Akku zu entfernen ist eine morts Bastelarbeit, darüber hinaus können aufgeblähte Lithium-Ionen-Akkus im wahrsten Sinne des Wortes brandgefährlich werden. Der Akku meines UCKG2Plus ist noch einwandfrei, allerdings zeigt es wieder mal, dass die Abhängigkeit von Ubiquiti bzgl. Protect suboptimal ist. Während man früher nämlich UniFi Video als Applikation auf seinem Linux-Server laufen lassen konnte, ist man seit etwa zwei Jahren dazu gezwungen eine Ubiquiti Gerät zu kaufen, auf dem Protect läuft – UniFi Video ist seit langem abgekündigt.

Will man also nicht die Ubiquiti-Firewalllösungen inkl. Protect nutzen (z.B. Dream Machine Pro), da diese einfach immer noch unausgereift und problembehaftet ist, oder den Network Video Recorder (NVR), dann bleibt einem nur der UniFi Cloud Key Gen2 Plus. Für mich selbst wäre es aber viel praktikabler und nachhaltiger, wenn ich UniFi Network und Protect in einer virtuellen Maschine oder in einem Docker Container laufen lassen könnte. Das will aber Ubiquiti nicht. Wieso? Ehrlich gesagt keine Ahnung. Ich glaube nicht, dass diese Option die Verkaufszahlen des Cloud Keys oder UDMs schmälern würde. Wer eine einfache out-of-the-box-Lösung will, der nimmt sowieso eines der Geräte. Wer volle Kontrolle und v.a. Skalierbarkeit haben will, der würde eine eigene Lösung anstreben. Und wer diese Kontrolle und Skalierbarkeit benötigt, der kauft eben nicht mehr UniFi Protect Geräte, sondern setzt gleich auf andere Hersteller. Da ich aber grundsätzlich sehr zufrieden mit den Komponenten bin – die älteste Kamera läuft seit 7 Jahren ohne Probleme und Ausfälle – werde ich bei UniFi Protect bleiben und hoffe, dass mein UCKG2 Plus Akku nicht defekt wird ;-)

UniFi OS - Storage Übersicht zeigt einwandfreie Funktion der MX500 SSD
UniFi OS – Storage Übersicht zeigt einwandfreie Funktion der MX500 SSD

tl;dr

Du hast einen UniFi Cloud Key Gen2 Plus mit defekter Festplatte? Tausch sie einfach in wenigen Minuten gegen eine performante und gleich teure SSD, z.B. eine Crucial MX500.


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6 Kommentare

  1. Hallo, da bei dem Tausch die Videos „weg“ sind, gibt es eine Möglichkeit diese auch zu sichern? Danke!

    • Hallo Martin,
      dafür bietet UniFi tatsächlich keine einfache Lösung an. Backup ist nur für die Konfiguration vorgesehen, aber nicht für die Videos. War mir selbst aber auch egal, weil bei Überwachungsivdeos für mich auch nur „Vorfälle“ interessant und wichtig sind. Sollte da etwas dabei sein, dann sichere ich genau das betreffende Video per Download. Der Rest war mir egal. Sind die Videos allerdings – warum auch immer – alle so wichtig, dann würde ich die parallel sowieso automatisiert wegsichern – Stichwort RTSP. Kannst dir ja mal das Skript hier ansehen, vielleicht nutzt es dir: https://github.com/ep1cman/unifi-protect-backup
      Grüße
      Andreas

  2. Moin Andreas,
    darf ich mal fragen ob die erwähnte SSD nach jetzt circa 16 Monaten noch im Cloud Key läuft ? Ich würde nämlich auch gern auf eine SSD wechseln, doch liest man immer wieder über Ausfälle bei SSD-Platten wenn sie dauerhaft für Videoaufzeichung schreiben müssen. Wie ist die „langzeit“ Erfahrung bei Dir. (..obwohl 16 Monate ja noch keine Lange Zeit sind ;-) )

    MfG
    Hagen

    • Hallo Hagen,

      die SSD läuft wie am ersten Tag, keine Probleme.
      Bei SSDs wird ja angegeben wie viele Daten sie schreiben können, das dauert schon etwas bis hier was ausfällt.
      Ich habe z.B. in meinem Server auch eine SSD laufen, die bereits 10 Jahre als Systemplatte läuft. Hier werden zwar keine so großen Datenmengen geschrieben, wie bei Video, trotzdem sind 10 Jahre schon eine Hausnummer.

      VG
      Andreas

  3. Hi Andreas,
    vielen lieben Dank für die schnelle Antwort ! Gib’s noch irgenwas worauf ich beim Kauf einer geeigneten SSD Platte achten sollte, gerade im Zusammenhang mit der Haltbarkeit ??? Würdest Du Dich mit Deinem dem heutigem Wissenstand wieder für genau dieselbe SSD entscheiden oder hättest Du jetzt eine andere Empfehlung ?

    Schöne Grüße
    Hagen

    • Hallo Hagen,

      Kenngrößen sind die MTBF-Zeit (je höher desto besser) und die TBW Werte (je höher desto besser).
      Die Crucial ist immer noch eine gute SSD, scheint aber nicht mehr so gut verfügbar zu sein. Alternativ ist sicherlich eine Samsung auch nicht verkehrt: 870 EVO z.B. https://amzn.to/3UgHSnT

      VG
      Andreas

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