Seitdem ich mit dem MacBook Air M1 zum macOS-User „mutiert“ bin, setzte ich auch vermehrt auf einen anderen Workflow in meiner Bildbearbeitung. Während ich in meinen reinen Linux-Zeiten gerne auf Darktable gesetzt habe, ist es unter macOS definitv eine andere andere Wahl geworden. Seit über einem Jahr benutzte ich Capture One Pro, da diese Software aus meiner Sicht die besten Ergebnisse mit Fujifilm-RAWs erzielt. Auch der Workflow in Capture One hat mir sofort zugesagt und sich für mich als sehr intuitiv erwiesen.

Ich verwende dabei nicht die Fujifilm-Version, sondern die reine Pro Version, da ich auch die Möglichkeit haben wollte, Drohnenfotos und Smartphone-Fotos zu bearbeiten. Unabhängig davon gibt es die herstellerspezifischen Capture One Varianten mittlerweile sowieso nicht mehr.

Einer der vielen Vorteile von Capture Pro ist die Tatsache, dass die Zusammenarbeit mit Fujifilm anscheinend sehr eng ist. C1 kann extrem gut mit den etwas speziellen X-Trans-RAWs umgehen und liefert hervorragende Ergebnisse. „Würmchen“ Artefakte beim Schärfen der RAWs bzw. „Aquarell-Effekte“, wie sie Lightroom-User oftmals berichten, gibt es bei C1 faktisch nicht.

Capture One Pro 22 Export auf Basis Classic Chrome

Neben der sehr gute Unterstützung von Fujifilm X und GFX Kameras und deren Objektive, sind auch die Fujifilm Filmsimulationen hervorragend integriert worden. Man sieht nur im Detail einen Unterschied zwischen In-Kamera-Entwicklung und Entwicklung mit C1. Meistens sind die in C1 entwickleten RAWs etwas dunkler, als die direkt in der Kamera erzeugten Simulations-JPGs.

Ein Grund mit Fujifilm zu fotografieren, sind für mich bekanntlich die Filmsimulationen. Hierzu habe ich auch bereits einen umfangreichen Blog-Artikel (Fujifilm Filmsimulationen) geschrieben, in dem ich erläutere, wieso ich nur noch in JPG fotografieren und das RAW nur als Backup mit auf die SD-Karte schreiben lassen. Diese Aussage und Ansicht hat sich mit C1 etwas geändert: Ich speichere zwar immer noch RAW und JPG, verwende jetzt aber eher das JPG als Backup, da ich festgestellt habe, dass ich in Capture One Pro keinerlei Geschwindigkeitsvorteile mehr durch die Verwendung der JPGs habe, dafür aber mehrere Vorteile der RAWs nutzen kann. V.a. der höhere Dynamikumfang und der nachträglich korrigierbare Weißabgleich sprechen für die RAWs.

Bei der Verwendung von C1 in Kombination mit den Filmsimulationen konnte ich nämlich eine interessante Entdeckung machen: C1 wendet nicht einfach nur die erkannte Filmsimulation auf das RAW an, sondern übernimmt auch die in der Kamera eingestellten Anpassungen der Simulation.

Hat man sich also ein Filmsimulation hinsichtlich Höhen, Tiefen, Color, etc. nach seinen eigenen Vorstellungen angepasst, so kann man mit diesen Anpassungen in C1 mit den RAWs arbeiten. C1 liest diese Informationen aus den EXIF-Daten aus und wendet sich automatisch auf das Bild an, solange man die Kurve auf Auto stehen lässt.

Leider ignoriert C1 (noch) einen in der Kamera angepassten Weißabgleich, was man beim Erstellen einer Looks gerne mal macht. Das wurde mir vom C1 Support auch so bestätigt, mit der Frage, ob ich dazu gerne einen Feature Request aufgeben möchte. Gefragt, getan. Ob es je umgesetzt wird? Keine Ahnung, bis jetzt jedenfalls nicht.

Fazit

Mit Caputre One Pro kann man in weiten Teilen auf JPGs out-of-camera verzichten und die Vorteile der RAWs nutzen. Außer man spielt gerne mit angepasstem Weißabgleich, dann wird es schwierig in C1 den gleichen Bildlook hinzubekommen. Zu speziell und zu gut ist hier einfach der Bildprozessor der Fujifilm-Kameras. Aber dann kann man immer noch mit den in JPGs aus der Kamera in C1 arbeiten, die erstaunlich viel Potential in der Bearbeitung haben.

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