Lesedauer: 5 Minuten

Seit fast genau einem Jahr fotografiere ich mit einer Fujifilm Kamera, genauer genommen einer X-Pro 2. Meine ersten Einschätzungen und die Gründen für meinen Systemwechsel habe ich bereits geschildert – aber wie schaut es nach einem Jahr und vielen Fotos aus?

Die X-Pro 2

Fujifilm X-Pro 2 mit XF 23 mm F2R WR und XF 25mm F2 R WR
Fujifilm X-Pro 2 mit XF 23 mm F2R WR und XF 25mm F2 R WR

Von Anfang an gefiel mir das Konzept der X-Pro 2 für meine Art von Fotografie. Den Formfaktor und der Messsucherstil habe ich mittlerweile lieben gelernt. Eine X-T3 mag wohl den Geschmack der meisten bzw. vieler Fotografen eher treffen – aber genau das ist das Schöne am Fujifilm X-Sytem: Für jeden Geschmack bzw. Einsatzzweck gibt es ein Modell: X-H1 mit größerem Body und integriertem IBIS z.B., die X-T3 als Retro-DSLM mit optionalem Batteriegriff, etc. Daneben gibt es noch weitere, im Funktionsumfang reduzierte, dafür günstigere Kameratypen, wie X-T30 oder X-E3.

Und eben die grandiose X-Pro 2, die wohl noch in diesem Jahr (2019) einen Nachfolger in Form einer X-Pro 3 erhalten wird.

Was mir gefällt

Größenvergleich: Nikon D7100 mit SIGMA 17-50 und Fujifilm X-Pro 2 mit XF23mm
Größenvergleich: Nikon D7100 mit SIGMA 17-50 und Fujifilm X-Pro 2 mit XF23mm

Für Reisefotografie ist die X-Pro 2 eine wunderbare Kamera. Unauffällig (viele denken, das wäre ein uralte Kamera), kompakt, leicht und auch einhändig gut zu bedienen (alle wichtigen Knöpfe liegen auf der rechten Seite). Dann noch mit Festbrennweiten ausgestattet – für mich perfekt.

Die Kombination aus optischem Sucher und elektronischem Sucher finde ich auch nach einem Jahr noch super – auch wenn ich mittlerweile meistens den EVF nutze. Bei schwachem Licht oder wenn man die Szene über den Bildausschnitt hinaus im Augen haben will, dann ist der OVF unschlagbar.

Die Bildqualität ist für meine Bedürfnisse überragend. Hier habe ich wirklich keine Kritik. Wenig Rauschen auch bei höheren ISO-Werter, guter Dynamikumfang und sehr guter automatischer Weißabgleich.

Es ist schwer zu beschreiben, aber seit ich mit der X-Pro 2 fotografiere, sind andere (neue) Kameras für mich uninteressant. Ich kann mittlerweile auch verstehen, weshalb manch (ehemaliger) Fujifilm-Fotograf auf Kameras, wie die Leica M schielen – aber das ist ein anderes Thema 😉

Was mir weniger gefällt

Das X-System an sich gefällt mir sehr gut. Was mir nicht so gut gefällt bzw. was mich ziemlich nervt, sind zwei Details an der X-Pro 2:

Tierisch nervig: Das leicht zu verstellende Dioptrie-Rad
Tierisch nervig: Das leicht zu verstellende Dioptrie-Rad

Ich verstelle dauernd unbeabsichtigt, z.B. durch Einpacken/Rausholen aus der Kameratasche bzw. dem Fotorucksack die Dioptrie-Korrektur und/oder die Belichtungskorrektur. Vor allem die Dioptrie-Korrektur mit ihrem kleinen Rädchen, das nicht arretiert werden kann und auch noch sehr fein einzustellen ist, bringt mich regelmäßig in Lagen, in denen ich denke „Hä? Wieso stellt die Kamera nicht sauber scharf?!“ . Sie stellt scharf, aber ich sehe nicht mehr scharf, durch die verstellte Korrektur. Super. Muss man erst mal merken. Ich frage mich sowieso, wer eine Dioptrie-Korrektur an einer Kamera benutzt. Ich kenne jedenfalls keinen Brillenträger, der zum Fotografieren die Brille abnimmt – mich eingeschlossen. Also: Das Ding bitte so gestalten, dass es verriegelt werden kann oder gleich weglassen und dafür den Sucher so gestalten, dass man als Brillenträger (mit etwas mehr Abstand zum Sucher) mit entsprechender Einstellung trotzdem den Bildbereich komplett überblickt – die Panasonic S1 kann das anscheinend und die Leica Q2 ebenfalls.

Nicht ganz so nervig: Das ebenfalls relativ leicht zu verstellende Rad für die Belichtungskorrektur
Nicht ganz so nervig: Das ebenfalls relativ leicht zu verstellende Rad für die Belichtungskorrektur

Eine verdrehte Belichtungskorrektur merkt man vielleicht schneller (ausgebrannte Lichter, oder zu dunkle Bilder), ist aber genauso lästig. Auch hier würde ich mir eine Arretierung wünschen.

Mittlerweile habe ich mir angewohnt, nach einem Auspacken der Kamera erst mal die Rädchen zu kontrollieren, ob wieder mal was verstellt wurde. Sicherlich auch nicht im Sinne des Erfinders 😉

Fujifilm Filmsimulationen

Ich glaube eines der wirklichen Alleinstellungsmerkmale einer Fujifilm-Kamera sind die Filmsimulationen. Mittlerweile fotografiere ich nur noch als Backup in RAW. Ansonsten nehme ich Fotos vorzugsweise im angepassten Stil Classic Chrome oder Astia – gelegentlich auch in Acros auf.

Und was soll ich sagen? Ich liebe diesen Look! V.a. weil man die Möglichkeit hat, jede einzelne Filmsimulation auf seine Bedürfnisse anzupassen.

Mehr dazu aber im Blogpost Fujifilm Filmsimulationen.

Die Fujinon Objektive

Wie ich ja bereits erklärt habe, hat mich bei Nikon immer genervt, dass es keine vernünftigen DX-Objektive gibt. Also Objektive für den APSC-Sensor. Welchen Sinn hat es, an eine kompaktere DX-Kamera Kleinbildobjektive zu betreiben? Mal abgesehen vom Crop-Faktor und der verlängerten Brennweite, ist da auch noch der Preis und das Gewicht bzw. die Größe. Hier bleibt einem dann nur der Schritt zu Sigma oder Tamron. Die bieten zwar tolle Objektive zu einem günstigen Preis an, leicht sind und klein sind sie aber auch nicht mehr.

Fujifilm hat dagegen mittlerweile ein tolles Objektiv-Lineup für die X-Kameras. Zwar nicht ganz billig die guten Stücke, dafür in herausragender optischer sowie Verarbeitungsqualität. Was mir auch sehr gut gefällt ist, dass es neben den Zoom-Linsen auch allerhand genialer Festbrennweiten gibt. Mit der X-Pro 2 habe ich festgestellt, dass ich viel lieber mit guten Festbrennweiten fotografiere, als mit Zoom. Festbrennweiten lassen einen besser auf das Motiv konzentrieren, man denkt mehr über Bildgestaltung und Perspektiven nach, wenn die einzige Möglichkeit zu „zoomen“ seine Beine sind.

Für meine Reisefotografie bin ich ein Fan von den sogenannten Fujicron-Linsen – in Anlehnung an die Leica Summicron Optiken, die allesamt eine Blende von f2 haben. Bei den Funjinons bzw. den inoffiziellen Fujicrons liegt die Blende ebenfalls bei f2: XF 23mm F2 R WR, XF 35mm F2 R WR, XF 50mm F2 R WR. Mittlweile gibt es auch noch eine 16mm Weitwinkelversion mit einer Blende von f2.8, das XF 16mm F2.8 R WR. Allesamt geniale Linsen für die X-Pro 2 oder jeden der einer leichten, kompakten Kombination unterwegs sein will. Eine Lichtstärke von f2 bzw. f2.8 ist in den meisten Fällen auch völlig ausreichend und liefert auch bereits ein schönes Bokeh.

Ich selbst habe mittlerweile das XF 23 F2 R WR und das XF 35 F2 R WR und werde mir sicherlich die beiden anderen auch noch zulegen. Preislich bewegen sich diese Objektive auch noch in einem vertretbaren Bereich und haben dazu noch eine super Verarbeitungsqualität (nix mit Plastik, schöne Metallgehäuse!) sowie Wasser- und Staubabdichtung (WR = Weather Resistent). Ideal für die X-Pro 2, die ebenfalls abgedichtet ist (wie X-T2, X-T3 und X-H1).

Fazit

Ich habe es keine Sekunde bereut auf Fujifilm umzusteigen. Das APS-C-System ist für mich und meine Fotografie genau richtig. Die X-Pro 2 in ihrer Art einmalig – ich liebe sie einfach (bis auf die zwei Rädchen 😉 ). In erster Linie fotografiere ich – ich fotografiere auf Reisen und daheim die üblichen Familienfotos – aber selbst Studio-Aufnahmen bzw. mit entsprechenden Blitzen ist kein Thema, auch das geht mit Fujifilm mittlerweile einwandfrei. Videos mache ich nur selten und dann einfach mit dem Smartphone in 4K. Allerdings reizt es mich, hier etwas mehr zu machen, dann würde ich wohl aber nicht auf die X-Pro 2 setzen, sondern eher auf eine Kamera mit anderem Format – wie X-H1 oder X-T3. Allein die genialen Filmsimulationen und damit Looks stehen Videos sicherlich ebenso gut wie Fotos.

Auch interessant:

Blitzen mit Fujifilm X In meiner Fotografie nutze ich so gut wie immer das vorhandene Licht. Trotzdem kommt es doch hin und wieder mal vor, dass man z.B. Portraits fotograf...
Fujifilm Filmsimulationen Fujifilm Filmsimulationen oder wieso ich in RAW nur noch als Backup fotografiere. Ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal der Fujifilm X-Kameras s...
Der richtige Kameragurt Den für sich richtigen Kameragurt zu finden ist mindestens genauso kompliziert, wie den passenden Fotorucksack (Review Compagnon Explorer+) oder die ...
Review Parrot Anafi Review/Test Kompaktdrohne Parrot Anafi Eine Drohne soll es sein Immer wenn ich auf Instagram Luftaufnahmen gesehen habe, die mit Drohnen aufgen...
Review – Peak Design Field Pouch In diesem Artikel möchte ich euch einen kleinen Test bzw. ein Kurzreview zur Peak Design Field Pouch geben - eine kleine Zubehörtasche für Fotoequipme...
Mit dem Compagnon Explorer+ unterwegs in Chalkidik... Kamerarucksäcke und Hersteller selbiger gibt es wie Sand am Meer. Von günstig bis teuer, von klein bis groß und natürlich in allen Farben. Alle sind s...