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Erster Versuch – Digitales Reisejournal

Die erste Reise in diesem Jahr steht bald an und ich frage mich, wie man wohl am besten seine Eindrücke vom/am Urlaubsort festhält. Natürlich v.a. dann, wenn man nicht nur am Strand liegt, sondern sich auch etwas ansieht (für mich gehört übrigens beides zu einem erholsamen Urlaub).

Natürlich bin ich gleich auf die Idee gekommen, dass es doch sicher eine App für Reiseberichte bzw. ein Reisejournal für Android geben müsste. Also habe ich kurzerhand Google bemüht und entsprechend nach meinem Anliegen gesucht.

Zuerst einmal vorweg: Es gibt weniger brauchbare Apps, als man sich denken könnte. Nach einer kurzen Recherche bin ich dann auf die App „Trip Journal“ gestoßen. Nachfolgend meine Eindrücke zur App und was diese so kann.

Trip Journal

Trip Journal gibt es für die mobilen Plattformen Android, Bada, iPhone, und Symbian. Ich habe zum Testen die Lite-Version für Android installiert, eine kostenpflichtige Vollversion ist ebenfalls erhältlich.

Nach der Installation ging es gleich ans Testen. Der erste Eindruck war gut, die Optik der App ist ansprechend und übersichtlich. Im Hauptmenü sind vier Punkte zur Auswahl:

  1. New Trip, also Anlegen eines neuen Trips bzw. einer neuen Reise.
  2. Ongoing Trip, also ein Trip bzw. eine Reise die momentan läuft und die noch nicht abgeschlossen ist.
  3. Trip Archive, Archiv der abgeschlossenen Trips.
  4. Options, wie der Name schon sagt, das Einstellungsmenü der App.

Legt man jetzt einen neuen Trip an, erfolgt das Befüllen mit Inhalt in erster Linie über sogenannte „Places“ und „Notes„. Places sind eigentlich nichts anderes als Wegpunkte und Notes sind die dazugehörigen Notizen. Trip Journal zeichnet nämlich die Reise mit GPS-Informationen und Wegpunkten auf, um daraus einen Track zu generieren. Man kann also zu einem Ort, an dem man sich aufhält GPS-getaggte  Fotos oder Videos  speichern und dazugehörige Notizen, also Eindrücke verfassen.

Die aufgezeichneten Informationen werden in einer Google-Maps Karte inklusive des Tracks bzw. der „Route“ dargestellt.

Das sind im Wesentlichen die Funktionen für das Aufzeichnen seiner Eindrücke am Urlaubsort. Hat man die Infos gesammelt und ist man z.B. wieder daheim oder will gar die Infos vom Urlaubsort seinen Freunden und Verwandten zur Verfügung stellen, bietet Trip-Journal die Möglichkeit seine Reise über die Trip-Journal-Seite zu teilen oder über Facebook verfügbar zu machen. Über die Facebook-Anwendung lässt sich der Trip auch in einen Blog einbinden. Ein Export für Google Earth ist ebenfalls möglich.

Hört sich ja alles ganz nett an und ist sicherlich ein guter Ansatz, aber nach etwas Rumprobieren haben sich für mich nachfolgende K.O.-Kriterien herauskristallisiert, die einen wirklich praxisgerechten Einsatz unmöglich machen:

  1. Lite-Version nicht wirklich kostenlos, zusätzliche Tracks müssen hinzugekauft werden.
  2. Ich wäre sogar dazu bereit gewesen mir die Vollversion zu kaufen, jedoch haben mich sofort Hinweise in den Kommentaren der App abgeschreckt, dass sie nur mit einer Internetverbindung funktioniert, da vor jedem Start die Lizenz geprüft wird („always checks the license before it starts, needs internet for this.[…])“. Meistens hat man nun mal im Ausland keine mobile Internetverbindung bzw. ist nicht bereit horrende Datenroaming-Gebühren zu bezahlen.
  3. Informationen über seinen Aufenthalt werden nur in den Wegpunkten gespeichert und sind nicht als Text oder dergleichen abrufbar. Wenn ich über eine Reise berichten will, dann nicht nur mit einer Karte und Wegpunkten.
  4. Die Karte lässt sich nur für Google Earth exportieren und nicht z.B. für das immer über das Internet verfügbare Google Maps.
  5. Der Reisebericht lässt sich nur wirklich gut auf dem Handy/Smartphone ansehen und kann nur umständlich exportiert werden,  z.B. via Facebook-Anwendung.
  6. Ich will meinen Reisebericht nicht auf Facebook einstellen, sondern auf meinem Blog, wieso muss ich also den Umweg über Facebook gehen?
  7. Es lassen sich keine Texte exportieren, lediglich wie bereits erwähnt die Karten. Auf der Reise gesammelte Informationen lassen sich also schlecht erweitern oder verbessern. Ein Weiterverwenden der Texte für Blogs oder andere Schriftstücke (Fotobuch) ist unmöglich.
  8. Durch den fehlenden richtigen, plattformunabhängigen Export kann man seine Notizen keinen anderene Dokumenten wie Fotos zuordnen (ich werde einen Teufel tun und meine Urlaubsfotos mit dem Handy schießen 😉 )

Fazit:

Ein wirklich ernüchterndes Ergebnis nach anfänglicher Euphorie, eine App gefunden zu haben, mit dem man schnell und einfach Notizen am Urlaubsort niederschreiben kann. Wenn man es sich aber genauer überlegt ist es eigentlich sowieso ziemlich bekloppt interessante Infos über den momentanen Aufenthaltsort mit dem Handy (oder Tablet) aufzuzeichnen. Man stelle sich nur mal vor, man zieht es ernsthaft in Betracht in einer Affenhitze eines südlichen Landes mit verschwitzten Händen einen Text in sein „Mobile“ zu klopfen. Sorry, aber soviel „Nerd“ bin nicht mal ich 😉

 

Zweiter Versuch – Hardware-Reisejournal

Mit „Hardware“ meine ich selbstverständlich die gute alte Kombination aus Stift und Papier. Nach der Ernüchterung mit Trip Journal habe ich zuerst nach digitalen App-Alternativen gesucht, die meinen Anforderungen gerecht werden. Leider gibt es nicht wirklich irgendwelche vergleichbaren Programme für Android, wobei sich natürlich eine normale Notiz-App wie Evernote oder Catch Note für einen Reisebericht entfremden ließe. Nachdem ich aber sowieso der Meinung bin, dass eine altmodische „Offline-Methode“ an einem fernen Urlaubsort vielleicht sowieso zielführender ist, habe ich mich auf die Suche nach Reisejournale in Papierform gemacht.

Moleskine Passions – Travel Journal

Natürlich kann man seine Reise-Notizen in ein normales Notizbuch schreiben, ähnlich einem Tagebuch. Das war auch die ursprüngliche Absicht, die ich verfolgt habe. Also wollte ich mir schon ein Moleskine-Notizbuch bestellen. Moleskine sind Notizbücher der besonderen Art, ähnliche Bücher waren im 19. und 20. Jahrhundert unter Künstlern wie Oscar Wilde, Vincent van Gogh, Pablo Picasso, Ernest Hemingway und Henri Matisse sehr beliebt. 1997 wurden die kleinen schwarzen Notizbücher in Mailand wiederblebt.

Moleskine ist eine Marke für Notizbücher, Kalender, Skizzenbücher und Folianten, die von Moleskine Srl hergestellt werden, einem italienischen Unternehmen mit Sitz in Mailand. Moleskine-Notizbücher sind typisch in beschichteten Karton gebunden, mit einem elastischen Gummiband, um das Buch geschlossen zu halten, einem genähten Buchrücken, der das flache Aufschlagen des Notizbuches ermöglicht, cremefarbenem Papier, abgerundeten Ecken, einem Leseband und einer Falttasche am Buchende, alles verpackt durch eine Papierbanderole. (Quelle: Wikipedia.de)

Der Produktumfang der Moleskine-Notizbücher wurde stetig erweitert und so gibt es auch ein Travel Journal unter der sogenannten Passions-Reihe.

Die wesentlichen Eigenschaften sich schnell wiedergeben (Quelle: Moleskine.de):

  • 6 Themenabschnitte zum Ausfüllen.
  • 6 Abschnitte mit Registern zum eigenen Gestalten.
  • Kundenkarten, Checklisten, Kalender, Reiseinformationen, Budget- und Reiseplaner, besondere Momente und Vieles mehr.
  • 202 Klebeetiketten zum Personalisieren Ihres Journals.

Nachdem ich das kleine schwarze Notizbuch das erste mal in Händen hielt (bestellt über Amazon), konnte ich mir wieder einmal ein Bild über die besondere Verarbeitung dieser tollen Notizbücher machen. Den ersten Unterschied zu normalen Notizbüchern der Marke sieht man schon auf dem schwarzen Hardcover: Eine stilisierte, eingeprägte Abflugtafel von einem Flughafen. Schon der Einband soll einem Lust auf die bevorstehende Reise machen.

Nach einem allgemeinen Abschnitt über den Besitzer des Notizbuches und dessen Infos kommt eine Standard-Checkliste, die man befüllen kann. Nach dem Ausklappkalender bis zum Jahr 2018 und Informationen zu Zeitzonen, Klimazonen, Flughäfen, Flugzeiten und Wörter und Namen folgt der eigentliche Teil des Notizbuches: Dem Reisejournal. Dieser Bereich des Buches ist in 5 Bereiche unterteilt: Wish List, Planning, Weekends, Short Trips und Long Trips. In diesen toll untergliederten Bereichen kann man sich auf Reisen verewigen und seine Gedanken und Eindrücke niederschreiben, Skizzen zeichnen oder Fotos und Landkarten einkleben.

Am Ende des Notizbuches gibt es die obligatorische Falttasche, die alle Notizbücher von Moleskine besitzen. Hier finden sich auch witzige Aufkleber, die man neben seinen Notizen etc. platzieren kann.

 

Fazit:

Ich versuche mein Glück auf der nächsten Reise meine Eindrücke altmodisch mit Stift und Papier zu verfassen und werde diese im Nachgang digital aufbereiten – und zwar so, dass ich sie für all das nutzen kann, wofür ich sie nutzen will, sei es für diesen Blog, für ein Fotobuch oder ein anderes Dokument.


Update 2018: Seit nunmehr 6 Jahren benutze ich Moleskine Notizbücher als Reisejournal bzw. Reisetagebuch. Mittlerweile peppe ich meine Notizen mit kleinen Instax-Bildern auf. Mehr dazu im neuen Beitrag Reisetagebuch und Fujifilm Instax.

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Gründer und Betreiber von Imrazor.de

Von Beruf Elektroingenieur, in der Freizeit reisebegeisterter Hobbyfotograf mit großer Linux-Affinität.

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